Du kannst die Briefe einfach allein lesen oder die Austauschangebote nutzen, mit denen wir auf verschiedene Arten einladen gemeinsam durchs Jahr zu gehen.

 

Was ist Holles Rad?

politisch poetische Schönheit

in deinem Briefkasten

Das langsam heller werdende Licht des Jahres begrüßen, närrisch werden. 

In jugendlichem Übermut über die Wiesen laufen – das erste Mal barfuß gehen.

 Das Durcheinander der Lebenslust begrüßen, die queere Landschaft erkunden. 

Im Rausch der Sonnenwende mich zerstreuen und mit der Schnitterin die Kurve kriegen – es ist genug!

 Das Sinken umarmen, die Dunkelheit kennen. Gedenken, loslassen, Kompost werden. 

Um mit Demut immer wieder aufs Neue dem Wunder des Lebens die Hand aufzuhalten.

Der bewusste Blick auf die Zyklen des Lebens – auf Jahreszeiten, Lebensphasen, Körper und ihre Rhythmen – gibt uns Orientierung in der wunderschönen Vielfalt des Lebendigen. In allem liegt ein Werden und Gebären, ein Wachsen und Blühen, ein Sterben und Sinken, ein Kompostieren und Neuwerden.

Wir suchen nach emanzipatorischen Antworten auf die Erfahrung von Entfremdung und Vereinzelung unserer Zeit und machen uns mit Bildern und Worten auf die Suche nach Verbindungen zwischen Menschen, Landschaften, Zeiten und dem Mehr-als-Menschlichen.

Dabei stoßen wir immer wieder auf historische Brüche, gewaltvolle Vergangenheiten und gegenwärtige Herrschaftsverhältnisse, die eine Kultur der Trennung aufrechterhalten.

In den Briefen gibt es deswegen immer wieder eine lebendige Mischung aus Märchen, Essays zu politischen Fragen, praktischen und somatischen Impulsen, Ideen für Rituale, Lyrik oder graphische Erzählungen. Dazu kommen Inspirationsfragen zur Selbstreflexion und immer auch kunstvolle Illustrationen.

Gemeinschaftlich in Kreisen leben

Wie finden wir Rhythmen, die uns und alles Lebendige nähren, statt uns von einem System durchtakten zu lassen, das alles Lebendige ausbeutet?

Wir versuchen kein ursprünglich europäisches Rad wiederherzustellen oder aus anderen Regionen der Welt zu kopieren. Fragend, spielerisch, erzählend und kunstvoll laden wir ein zum gemeinsamen Forschen, wie sich die Kreisläufe des Lebens hier und heute anfühlen und wie wir darin nach Hause kommen können.

Das Rad ist ein Symbol für den Kreislauf des Lebens, der sich zyklisch bewegt und doch fortschreitet. Solche Vorstellungen und Symbole finden sich in unzähligen Kulturen der Welt. Auch im nordhessischem Land der Frau Holle gibt es Mythen, in der Holle die Zeit dreht, wie ein großes Mühlrad.

Holle ist das Leben

Vor sechs Jahren sind wir in die Region rund um den Meißner gezogen. Dort, unter dem Holleteich, wohnt – so wird erzählt – die Holle in ihrem immergrünen Garten und wiegt die Seelen, bis sie wieder ins Diesseits kommen. Die Holle ist mal Teil der Landschaft, steckt in einem Baum oder See, mal macht sie das Wetter oder erscheint uns als alte Muhme, um Menschen an die Gesetzmäßigkeiten des Lebens zu erinnern. Überall rund um den Meißner gibt es Orte, die ihren Namen tragen und alte Mythen und Bräuche, die Frau Holle lebendig halten.

In verschiedenen Zeiten wurde sich die Figur der Holle zunutze gemacht, auch um essentialistische, patriarchale oder patriotische Ideologien zu untermauern.

Trotz dieser historischen Verfärbungen der Frau Holle wollen wir in die Bilder und Geschichten lauschen, die von dieser Figur übrig geblieben sind.

Wir versuchen nicht, einen imaginären Holle-Kult zu erschaffen oder zu imitieren, sondern vielmehr zu fragen, was diese Figur uns hier und heute zu sagen hat.

Wenn Holle in allem Lebendigen steckt – auch in uns selbst – ist sie so vielfältig, wild und queer wie alles, was lebt.

Das erzählen Menschen, die Briefe von Holles Rad bekommen:

Worte finden

Es war wie ein Worte finden für was was in mir war und womit ich mich allein gefühlt hab: das Erleben des Jahreszyklus und Themen der gesellschaftlichen Transformation als zwei Seiten einer Medaille und mit kritischer Auseinandersetzung mit kultureller Aneignung und ohne esoterische Verklärung. Ich habe auch gespürt, dass ihr selbst voll authentisch mit auf dieser Forschungsreise seid, das hat mir sehr gefallen.

Anbinden & Gemeinschaft finden

Durch die Briefe habe ich mich an die Zyklen des Lebens angebunden gefühlt und bin tief in die unterschiedlichen Qualitäten der Jahreszeiten eingetaucht. Das so viele Menschen gleichzeitig die Briefe bekommen und durch die Austauschcalls und Gruppen verbunden sind, hat mit ein Gemeinschaftsgefühl gegeben. Da ist eine tiefe Weisheit in uns, die schon da ist, uns umgibt und durch uns lebt.

Vielfältige Briefe

Mich hat die gestalterische Vielfalt der Briefe immer wieder überrascht und berührt. Man spürt, wie viel Sorgfalt in der Zusammenstellung lag. Durch die Briefe konnte ich zu manchen Themen wie Queerness einen Zugang finden und mochte die Verbindung von Naturverbindung und gesellschaftlichen Themen.

Mehr über uns

Wir sind vier Freundinnen, die sich über das Gemeinschaftsnetz Fuchsmühle kennengelernt haben: Jelena Auracher, Kathrin Godehardt, Luisa Kleine und Priska Lang. Wir leben an verschiedenen Orten rund um den Berg Hoher Meißner.
Wir sind alle weiß, able bodied, studiert und weiblich sozialisiert. Wir sind mit unterschiedlichen Zugängen zu Ritualen, Natur, Kunst und Geschichten aufgewachsen. Gemeinsam mit euch wollen wir durch das Holle Rad aus dem immer wieder zähen Sumpf an patriarchaler Kultur waten – scheitern ist Teil dessen.

(sie/they)

Die Kombination von politischer Kunst, gelebter Alternativen zu Kapitalismus, verkörperter zyklischer Spiritualität und Traumaarbeit begeistern Priska. Priska ist Künstlerin, Illustratorin und begleitet Menschen mit Somatic Experiencing.

(sie/ihr)

bewegt Fragen nach Transformation: Wie geht sterben lassen von Kapitalismus und das Entstehen lassen von Neuem in uns und um uns?

Jelena studiert Psychotherapie und ist Visionssucheleiterin. Sie forscht dazu und liebt die Begleitung von Prozessen.

(sie/ihr)

baut schon länger gemeinschaftliche Strukturen auf und denkt über Commons, soziale Bewegungen und gesellschaftliche Transformation nach. Dabei sind Worte und Bilder zu ihren Wegbegleiterinnen geworden.

(sie/ihr)

erforscht Lebendigkeit. Entlang von Geschichten – einzutauchen, sie zu feiern und zu erzählen – und der Frage, wie wir uns wieder verkörpern und verwurzeln.

Kontakt

Fragen, Anregungen und Feedback könnt ihr uns gern schreiben an:

hollesradÄTposteo.com